Martin-Luther-Gedächtniskirche

Der Ort

Bildergalerie

nördliche Fassade mit Glockenturm nach der Sanierung (2011) (Foto: Alexander Bärike)

Leuchter mit Eisernem Kreuz

Blick von der Orgelempore in den Innenraum

Orgelprospekt

Triumphbogen, westlicher Pfeiler, Erdgeschoss (Detail)

Kanzel mit Schnitzarbeiten

Geschichte

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Mariendorf einen rasanten Aufstieg. So wuchs die Einwohnerzahl von etwa 4.600 im Jahre 1895 auf über 15.000 im Jahre 1910. Auch die Kirchengemeinde musste für ihre wachsenden Aufgaben die entsprechenden Räumlichkeiten schaffen.

So entstand der Plan, an der Rathausstraße ein kirchlich-diakonisches Zentrum mit Gemeindehaus, Kirche, Altenheim, Jugendhaus und Pfarrhaus zu errichten. Dafür erwarb die Kirchengemeinde 1918 das Grundstück. 1926-27 wurde durch den Architekten Curt Steinberg das Gemeindehaus (heute Stadtteilzentrum) errichtet.

Der Bau der Kirche wurde danach in Angriff genommen. Die Pläne hierfür lieferte wiederum Curt Steinberg. Wegen der Weltwirtschaftskrise und eines dadurch bedingten Bauverbots konnte erst 1933 – 450 Jahre nach Luthers Geburt – mit dem Bau begonnen werden. Die Kirche wurde im Dezember 1935 eingeweiht.

Das äußere Erscheinungsbild des Baus ist vom Zusammenspiel einer strengen vertikalen Gliederung durch Wandpfeiler und einer Fassadenverkleidung aus rechteckigen Keramikplatten in verschiedenen Gelbbraun-Tönen geprägt. Der rund 49 Meter hohe Turm über rechteckigem Grundriss hat ein ovales Glockengeschoss, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Kupferblech verkleidet und durch Schallluken geschlossen wurde, sowie eine durchbrochene Laterne mit Kreuz, die ebenfalls mit Kupferblech verkleidet wurde. Das glockenförmig geschwungene Walmdach über dem Kirchenschiff wird von einer Stahlskelettkonstruktion getragen.

Zunächst betritt man einen als Ehrenhalle gestalteten Vorraum. An den Seitenwänden sind Portraitreliefs Martin Luthers und Paul von Hindenburgs aus Terrakotta angebracht, der Kronleuchter zeigt das von goldenem Eichenlaub umgebene Eiserne Kreuz.

Daran schließt sich ein nach Süden ausgerichteter Saalbau über längsrechteckigem, fast quadratischem Grundriss an, der von einem Tonnengewölbe überspannt ist. Den Abschluss bildet eine halbrunde Apsis. Auch im Innenraum sind Pfeiler und Wände mit gelbbraunen Keramikplatten verkleidet.

Die Bleiglasfenster in der Apsis wurden 1970 nach Entwürfen von Hans Gottfried von Stockhausen gefertigt. Die ursprünglichen Fenster waren 1943 durch Kriegshandlungen zerstört worden.

Die Kirche verfügt über eine Orgel der Firma Walcker aus dem Jahre 1935. Der symmetrische Freipfeifenprospekt nimmt den geschwungenen Grundriss der Empore wieder auf, wobei die Prospektpfeifen mit folkloristischen Motiven bemalt sind.

Monumental wirkt der Triumphbogen, der mit rund 800 quadratischen Reliefplatten aus Terrakotta verkleidet ist. Die Reliefs wurden nach Entwürfen des Bildhauers Heinrich Mekelburger gefertigt und zeigen neben christlichen Motiven auch Soldatenköpfe sowie Symbole von Staat, NSDAP und NS-Massenorganisationen. Die Hakenkreuze und das Zeichen der NS Volkswohlfahrt wurden nach Kriegsende herausgeschlagen.

Tauftisch und Kanzel bestehen aus Eichenholz und wurden 1935 von Hermann Möller gestaltet. Das Kanzelrelief zeigt den predigenden Christus; zu den Zuhörern gehören neben zeitgenössisch gekleideten Müttern, Kindern, Bürgern und Arbeitern auch ein Mann in Uniform der SA und ein Soldat.

Mit ihrer seit der Errichtung weitgehend unverändert gebliebenen Innenausstattung ist die Martin-Luther-Gedächtniskirche ein bedeutendes Zeugnis sakraler Kunst in der Zeit des Nationalsozialismus.